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Jacobson-Muskelentspannung: So üben Sie Schritt für Schritt

Wenn sich Anspannung in Schultern, Kiefer oder Händen festsetzt, kann die Muskelentspannung nach Jacobson einen klaren Ablauf bieten. Sie spannen einzelne Muskelgruppen kurz an, lassen wieder locker und achten auf den Unterschied.

Von Mara Winter · · 5 Min. Lesezeit

Frau sitzt entspannt im Sessel, Augen leicht geschlossen, Hände locker im Schoß

Bei der progressiven Muskelentspannung müssen Sie weder besondere Bewegungen beherrschen noch sich innere Bilder vorstellen. Sie gehen Muskelgruppe für Muskelgruppe vor und richten Ihre Aufmerksamkeit darauf, wie sich Anspannung und Loslassen jeweils anfühlen. Das macht die Methode gut nachvollziehbar, aber nicht zu einem Ersatz für medizinische Behandlung.

Im Mittelpunkt stehen eine bequeme Ausgangslage, eine sanfte Anspannung ohne Schmerzen und eine bewusste Entspannungsphase. Die folgende Anleitung zeigt, wie Sie eine kurze Übung beginnen, welche Varianten es gibt und woran Sie merken, ob der Ablauf für Sie passt.

Was passiert bei der Muskelentspannung nach Jacobson?

Die progressive Muskelentspannung, kurz PMR, wird auch Muskelrelaxation nach Jacobson genannt. Sie richten die Aufmerksamkeit nacheinander auf verschiedene Muskelgruppen, spannen jede kurz an und lassen sie anschließend bewusst locker. „Progressiv“ bedeutet hier, dass Sie schrittweise durch den Körper gehen. Laut Gesundheitsinformation.de zur Muskelentspannung nach Jacobson gehört genau dieser Wechsel aus Anspannen und Entspannen zum Grundprinzip der Methode.

Die Übung soll Ihnen helfen, den Unterschied zwischen beiden Zuständen wahrzunehmen. Sie müssen dabei weder besonders tief atmen noch jede Muskelgruppe möglichst kräftig anspannen. Entscheidend ist, dass Sie die Spannung bemerken und beim Loslassen beobachten, was sich verändert. Das kann sich von Durchgang zu Durchgang unterschiedlich anfühlen; ein bestimmtes Entspannungsgefühl ist kein Pflichtziel.

Welche Variante passt zu Ihrem Einstieg?

Sie können die Methode in einer längeren Ganzkörperfolge oder zunächst nur mit wenigen Muskelgruppen ausprobieren. In der ursprünglichen Form wurden laut gesund.bund.de zu Entspannungsmethoden 16 Muskelgruppen beschrieben. Dabei waren drei Muskelgruppen täglich vorgesehen, mit einer Übungsdauer von etwa einer Stunde pro Sitzung. Heute kommen meist vereinfachte und kürzere Abläufe zum Einsatz.

Für den Einstieg ist eine kleine Auswahl oft übersichtlicher als eine lange Abfolge. Sie können zum Beispiel mit einer Hand beginnen und später Unterarm, Schultern oder Gesicht dazunehmen. Das ist ein praktischer Vorschlag, keine vorgeschriebene Reihenfolge. Eine Ganzkörperübung eignet sich eher, wenn Sie ausreichend Zeit haben und die einzelnen Schritte in Ruhe durchgehen möchten. Wenn Sie zuerst eine andere kurze Entspannungsform ausprobieren wollen, finden Sie unter kurze Übungen für den Alltag weitere Möglichkeiten. Welche Form Ihnen liegt, ist individuell.

Wie bereiten Sie die Übung vor?

Wählen Sie für den Anfang einen Ort, an dem Sie einige Minuten möglichst ungestört sitzen oder liegen können. Legen Sie alles beiseite, was Sie ablenkt, und tragen Sie Kleidung, die nicht einengt. Im Sitzen können beide Füße auf dem Boden stehen; im Liegen sollte Ihre Position bequem sein. Schließen Sie die Augen nur, wenn sich das für Sie angenehm anfühlt. Sie können den Blick ebenso auf einen ruhigen Punkt richten.

Nehmen Sie sich zunächst eine einzelne Muskelgruppe vor. Prüfen Sie, ob Sie sie anspannen können, ohne dafür den ganzen Körper mitzuverkrampfen. Eine Hand zur Faust zu schließen ist dafür oft leicht nachzuvollziehen. Wenn Sie ein Zeitgefühl brauchen, nennt die AOK bei ihrer PMR-Anleitung mit Faustübung fünf bis zehn Sekunden für die Anspannung und ungefähr 30 Sekunden zum Nachspüren. Das sind Angaben aus dieser Übungsanleitung, keine für alle passende Pflichtdauer.

Wie führen Sie einen ersten Durchgang aus?

  1. Setzen Sie sich bequem hin und legen Sie die Hände locker ab. Nehmen Sie wahr, wie Ihre Hand und Ihr Unterarm gerade liegen.
  2. Schließen Sie eine Hand langsam zur Faust. Spannen Sie nur so weit an, dass Sie die Muskeln deutlich bemerken. Atmen Sie dabei weiter und halten Sie weder die Luft an noch pressen Sie den Kiefer zusammen.
  3. Lassen Sie die Faust wieder aufgehen. Lockern Sie Hand und Unterarm vollständig, ohne sie auszuschütteln oder nachzudehnen.
  4. Bleiben Sie einen Moment bei der Wahrnehmung: Fühlt sich die Hand anders an als während der Anspannung? Registrieren Sie auch, wenn Sie keinen deutlichen Unterschied bemerken.
  5. Wiederholen Sie denselben Ablauf auf der anderen Seite, sofern es angenehm ist.

Die AOK beschreibt für die Faustübung fünf bis zehn Sekunden Anspannung und etwa 30 Sekunden Ruhe danach. Wenn sich diese Zeit für Sie nicht stimmig anfühlt, können Sie kürzer anspannen oder die Übung beenden. Die Muskelgruppe soll sich wieder locker anfühlen dürfen; ein Nachdrücken oder besonders festes Anspannen ist nicht nötig.

Wie erweitern Sie die Folge auf weitere Muskelgruppen?

Wenn die Faustübung gut funktioniert, können Sie den Ablauf auf andere Bereiche übertragen. Gehen Sie ruhig und nacheinander vor, statt mehrere Regionen gleichzeitig anzuspannen. Eine mögliche, bewusst einfache Reihenfolge ist: Hände und Unterarme, Oberarme, Schultern, Gesicht, Bauch, Beine und Füße. Diese Reihenfolge ist ein praktischer Vorschlag und kein verbindlicher Trainingsplan.

Bei den Schultern können Sie sie vorsichtig in Richtung der Ohren heben und anschließend wieder sinken lassen. Für das Gesicht reicht ein mildes Anspannen, etwa indem Sie die Stirn leicht runzeln. Bei den Füßen können Sie die Zehen sanft bewegen oder den Fuß leicht anziehen. Wählen Sie jeweils eine kleine, kontrollierte Bewegung. Lassen Sie Bereiche aus, bei denen Sie Beschwerden haben oder die Sie nicht sicher anspannen können.

Zwischen den Muskelgruppen geht es nicht darum, möglichst schnell voranzukommen. Lassen Sie nach jeder Anspannung bewusst los und geben Sie sich Zeit, den Unterschied wahrzunehmen. Falls eine lange Folge Ihre Aufmerksamkeit erschöpft, kehren Sie zu einer Hand oder wenigen ausgewählten Gruppen zurück. Eine kurze, gut nachvollziehbare Übung ist für den Einstieg oft praktischer als eine vollständige Abfolge, die Sie nur hastig durchführen.

Wie merken Sie, ob der Ablauf für Sie passt?

Achten Sie zunächst darauf, ob Sie den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung bewusst verfolgen können. Sie müssen sich danach nicht vollkommen ruhig fühlen. Auch ein neutraler Eindruck ist eine gültige Beobachtung. Prüfen Sie, ob Sie während der Übung ruhig weiteratmen, ob Sie die Spannung gezielt lösen können und ob die gewählte Haltung bequem bleibt.

Wenn Sie möchten, halten Sie nach der Übung kurz fest, welche Muskelgruppe leicht anzuspannen war und welche Sie lieber auslassen würden. Das ist eine praktische Orientierung für den nächsten Versuch, keine Messung des Erfolgs. Sie können die Folge bei Bedarf verkürzen, langsamer durchführen oder im Sitzen statt im Liegen üben. Für mehr Ruhe und Erholung im Alltag bietet auch die Rubrik Wohlbefinden im Alltag weitere Themen rund um Entspannung, Schlaf und Atmung.

Wann sollten Sie vorsichtig sein?

Anspannung bedeutet bei dieser Methode nicht, eine Muskelgruppe mit maximaler Kraft zusammenzuziehen. Gehen Sie nur so weit, wie es sich angenehm und kontrollierbar anfühlt. Forcieren Sie keine Bewegung und versuchen Sie nicht, Schmerzen durch zusätzliche Spannung zu übergehen. Bei akuten Beschwerden, einer Verletzung oder Unsicherheit darüber, ob eine Bewegung für Sie geeignet ist, lassen Sie den betroffenen Bereich aus und fragen Sie ärztlich nach. gesund.bund.de weist ebenfalls darauf hin, dass Entspannungsmethoden nicht für jede Person gleichermaßen geeignet sind und man sich im Zweifel ärztlich beraten lassen sollte.

Beenden Sie die Übung, wenn dabei Schmerzen, deutliche Beschwerden oder ein starkes Unwohlsein auftreten. Wenn Sie gerade wegen anhaltender Beschwerden oder erheblicher Belastung Unterstützung suchen, kann PMR allenfalls eine ergänzende Übung sein; sie ersetzt keine Untersuchung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen oder akuten Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt.

Häufige Fragen

Muss ich bei der Muskelentspannung nach Jacobson besonders kräftig anspannen?

Nein. Spannen Sie nur so weit an, dass Sie die betreffende Muskelgruppe wahrnehmen können. Kräftiges Zusammenpressen ist nicht das Ziel. Atmen Sie weiter und lassen Sie die Spannung anschließend vollständig los. Wenn eine Bewegung unangenehm ist, reduzieren Sie sie oder lassen Sie die Muskelgruppe aus.

Kann ich die Übungen im Sitzen machen?

Ja. Sie können eine bequeme Sitzposition wählen und die Hände locker ablegen. Achten Sie darauf, dass Sie stabil sitzen und nicht gegen eine unbequeme Haltung anspannen müssen. Auch im Liegen lässt sich die Methode üben. Entscheidend ist, dass die Position für Sie angenehm und sicher ist.

Was mache ich, wenn ich während der Übung keinen Unterschied spüre?

Das kann vorkommen und bedeutet nicht automatisch, dass Sie etwas falsch machen. Versuchen Sie, langsamer vorzugehen und jeweils nur eine Muskelgruppe anzuspannen. Nehmen Sie auch einen neutralen Eindruck wahr, statt ein bestimmtes Entspannungsgefühl zu erwarten. Wenn die Übung unangenehm wird, beenden Sie sie.

Wie oft sollte ich die Muskelentspannung nach Jacobson üben?

Die hier beschriebene kurze Einstiegsübung gibt keine feste Häufigkeit vor. Wählen Sie zunächst einen Umfang, der gut in Ihren Alltag passt, und beobachten Sie, ob Ihnen der Ablauf liegt. Die historischen Trainingsangaben zur ursprünglichen Methode sind kein Muss für eine heutige kurze Übung. Bei gesundheitlichen Beschwerden besprechen Sie die Anwendung ärztlich.